Einstimmiger Beschluss: Langemarckstraße bleibt und wird Erinnerungsort
Am Donnerstag, den 18. Juni 2026, hat der Beirat Neustadt einstimmig beschlossen, von der Umbenennung der Langemarckstraße Abstand zu nehmen und den Namen künftig als Ort der kritischen und aktiven Erinnerungskultur zu erhalten.
Für uns ist das ein besonderer Moment. Nach vier Jahren intensiver Auseinandersetzung fällt uns heute tatsächlich ein großer Stein vom Herzen. Bis zuletzt hätten wir nicht damit gerechnet, an diesem Punkt zu stehen. Umso mehr freuen wir uns darüber, dass sich der Beirat der Sache noch einmal ernsthaft angenommen, seine Entscheidung überdacht und die vielen Argumente, Hinweise und Vorschläge sorgfältig abgewogen hat.
Dem Beschluss haben wir kaum etwas hinzuzufügen. Besser hätten wir es selbst kaum formulieren können. (Den Beschluss werden wir hier sobald dieser öffentlich verfügbar ist verlinken)
Mit dieser Entscheidung wird an das angeknüpft, was bereits 2020 bei der Einweihung des Langemarck-Mahnmals deutlich wurde: Die Langemarckstraße soll kein Ort der Verdrängung sein, sondern ein Ort der aktiven und kritischen Erinnerungskultur. Für die längste Langemarckstraße Deutschlands ist dieser einstimmige Beschluss deshalb ein einzigartiges und wichtiges Zeichen.
Gleichzeitig ist diese Entscheidung auch ein wichtiges Zeichen in Richtung Langemark in Belgien – dem Ort, von dem der Name seinen Ursprung hat und der seit über 100 Jahren die Folgen des Ersten Weltkriegs, der nationalistischen Vereinnahmung des Langemarck-Mythos und zweier Weltkriege trägt. Zugleich erinnert sie an die vielen Menschen, die in diesen Kriegen ihr Leben verloren haben.
Der gesamte Prozess hat gezeigt, wie wichtig Auseinandersetzung, Dialog und Beteiligung gerade bei Straßenbenennungen sind. Es ging uns nie darum, dem Beirat sein Recht auf Straßenbenennungen streitig zu machen. Dieses Recht sollte auch weiterhin bei den demokratisch gewählten Beiräten liegen. Unser Anliegen war es, auf Schwächen im Verfahren aufmerksam zu machen und für mehr Beteiligung der Betroffenen einzutreten.
Missstände aufzuzeigen ist kein grundloses Pöbeln. Es ist eine Einladung, Kritik ernst zu nehmen und sich konstruktiv mit ihr auseinanderzusetzen. Genau das ist hier am Ende gelungen. Das Ergebnis zeigt, wie wertvoll dieser Dialog war.
Jetzt geht es darum, die vorgeschlagene Erinnerungs- und Gedenkarbeit auch wirklich umzusetzen. Die Langemarckstraße bekommt damit endlich die Umwidmung, die ihr gerecht wird: als friedensorientierter und völkerverständigender Erinnerungsort, der die Geschichte vom Ersten Weltkrieg über ihre nationalsozialistische Vereinnahmung hinaus bis heute sichtbar und kritisch erfahrbar macht. Mit diesem Beschluss nimmt Bremen nun die Hand an, die uns aus Langemark und Belgien gereicht wurde.
Besonders freut uns, dass aus einer ursprünglich sehr verhärteten aber auch wichtigen Debatte am Ende etwas entstanden ist, das Brücken bauen kann. Deshalb reichen wir auch die Hand in Richtung der Georg-Elser-Initiative. Wir begrüßen die Überlegungen zu unserem Vorschlag eines Georg-Elser-Parks und würden uns nach der kontroversen, aber wichtigen Auseinandersetzung freuen, wenn daraus vielleicht künftig eine gemeinsame und konstruktive Zusammenarbeit entsteht.
Ein besonderer Dank gilt allen Beteiligten, Betroffenen, Unterstützenden sowie allen Menschen, die diesen Weg über die vergangenen Jahre mitgetragen haben. Ohne die vielen Gespräche, Hinweise, Recherchen, Stellungnahmen und die beharrliche Unterstützung wäre diese Entwicklung nicht möglich gewesen.
Am Ende zeigt dieser Prozess vor allem eines: Demokratie lebt vom Zuhören, vom Dialog und von der Bereitschaft, Entscheidungen auch noch einmal zu hinterfragen. Genau das ist hier geschehen.
Dafür möchten wir allen herzlich danken.
Ergänzende Beiträge:
Der Name bleibt – Weser Kurier vom 20.06.2026
Bremer Elser-Initiative will Langemarckstraße nicht mehr umbenennen – Weser Kurier vom 25.05.2026
